PROJEKT "STÄRKUNG DES BIOtopverbunds"
Das Projekt „Stärkung des Biotopverbundes in Schleswig-Holstein an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern“ ist ein Naturschutzprojekt des Zweckverbandes Schaalsee-Landschaft (ZSL). Ziel ist es, den Biotopverbund entlang der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern im Kreis Herzogtum Lauenburg weiter zu stärken.
Dazu kaufen wir als Zweckverband Schaalsee-Landschaft zwischen Rothenhusen am Nordende des Ratzeburger Sees und Lauenburg an der Elbe möglichst nahe am ehemaligen Grenzstreifen Flächen an, auf denen nach Erwerb naturschutzfachliche Maßnahmen umgesetzt werden. So sollen langfristig durchgängige Biotopstrukturen flankierend zum „Grünen Band“, der Ländergrenze zwischen MV und SH, entwickelt und die Quervernetzung hinein nach Schleswig-Holstein verbessert werden.
Das Projekt ist im Laufe des Jahres 2024 gestartet. Die Projektlaufzeit beträgt 5 Jahre und endet Mitte 2029.
Wo Flächen schwerpunktmäßig angekauft werden sollen, gibt in Schleswig-Holstein ein landesweites Fachkonzept zum Biotopverbund vor.
Wie die gekauften Flächen naturschutzfachlich entwickelt werden sollen, geben je Geltungsbereich der Pflege- und Entwicklungsplan (PEPL), welcher im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes erstellt wurde und naturschutzfachliche Planungen sowie Managementpläne des Landes vor. Unsere Maßnahmenplanungen und deren Umsetzung erfolgen in enger Abstimmung mit der Oberen und Unteren Naturschutzbehörde.
Stimmen zum Projekt
Tobias Goldschmidt, Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein
„Klimaresiliente und vernetzte Lebensräume sind entscheidend für den Schutz unserer natürlichen Lebensgrundlagen. Deswegen sind Projekte wie dieses so wertvoll. Durch das Engagement des Zweckverbandes, kann hier, an der ehemaligen Grenze, auch die Natur wieder zusammenwachsen. Der Zweckverband hat bereits viel erreicht, doch es gibt auch noch Lücken im Biotopverbund am Grünen Band. Diese Barrieren wollen wir abbauen, um die Wanderung von Arten zwischen den Lebensräumen wieder zu ermöglichen und die natürliche Durchlässigkeit der Landschaft wiederherzustellen.“
Maria Boness, hauptamtliche Verbandsvorsteherin des Zweckverbandes Schaalsee-Landschaft
„Durch gezielten Flächenkauf konnten wir bereits zahlreiche Biotope verbinden. Diese Vernetzung ist für Arten- und Klimaschutz in unserer Region von unschätzbarem Wert.
Mit Jürgen Jeske, Diplom-Ingenieur Landespflege, haben wir nun seit 2024 einen Experten, der sich dem Flächenankauf und der Weiterentwicklung des Biotopverbunds widmet. Diese Unterstützung ist für die Umsetzung unserer Ziele essenziell.“
Dipl.-Ing. Landespflege Jürgen Jeske, Flächenakquise im Projekt Biotopverbund
Ich bin zuversichtlich, dass wir in einigen Jahren auf das Projekt Biotopverbund zurückblicken und sagen können: Wir alle gemeinsam – Flächeneigentümer, Naturschutzorganisationen, Gebietskörperschaften und Ministerien – wir haben es in vertrauensvoller Zusammenarbeit geschafft, Lücken im Biotopverbundsystem zu schließen und vorhandene Lebensräume miteinander zu verbinden: Für größere Artenvielfalt, mehr Biodiversität und bessere Klimaresilienz. Und damit für mehr Lebensqualität für alle in unserer Region.“
Über das Projekt
Das Projekt des Zweckverbandes Schaalsee-Landschaft zur Stärkung des Biotopverbundes in Schleswig-Holstein an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern knüpft an das 2009 ausgelaufene erfolgreiche Naturschutzgroßprojekt Schaalsee-Landschaft an und setzt die Bemühungen um eine Verbesserung der Biotopvernetzung nach Schleswig-Holstein hinein fort.
Auch wenn seit Bestehen des Zweckverbandes und mit dem Naturschutzgroßprojekt Schaalsee-Landschaft bereits viel für den Naturschutz erreicht wurde, so gibt es aktuell noch deutliche Lücken und Barrieren im Biotopverbund am Grünen Band.
Ausgehend vom Grünen Band als Rückgrat der Biotopvernetzung entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze, wird die Quer- und Längsvernetzung nach Schleswig-Holstein hinein gestärkt – sowohl nord-süd von Lübeck bis zur Elbe als auch westlich in das Hinterland hinein. Dies geschieht durch gezielten Flächenankauf und anschließende naturschutzfachliche Entwicklung der erworbenen Flächen.
Dabei werden vorhandene Lebensräume zum Aufbau eines Biotopverbundsystems miteinander verbunden und so vorhandene Verinselungen aufgehoben. Ziel ist, die Wanderung von Arten zwischen den Lebensräumen wieder zu ermöglichen und die natürliche Durchlässigkeit der Landschaft wiederherzustellen: für größere Artenvielfalt, mehr Biodiversität und bessere Klimaresilienz.
Ein wesentlicher Schwerpunkt des Projektes ist dabei der Ankauf von Flächen und die anschließende Umsetzung von biotopgestaltenden und anderen naturschutzfachlichen Maßnahmen. Wo ein direkter Flächenerwerb langfristig nicht möglich ist, soll der Schutz durch Vertragsnaturschutz erreicht werden.
Das Projekt leistet damit einen konkreten und sichtbaren Beitrag zum grenzübergreifenden Arten- und Klimaschutz auf kommunaler Ebene.
Biotopverbund braucht Flächen und Lebensraumgestaltung
Mit aktuell fast 5.200 Hektar Naturschutzfläche ist der Zweckverband der größte Flächeneigentümer im Verbandsgebiet entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze. Unsere Flächenankäufe tragen dazu bei, das Bundesziel von mindestens 2% Wildnisflächen und das Landesziel von mindestens 15% Biotopverbundflächen zu erreichen.
Flächenankauf und verbandseigene Flächen sind jedoch kein Selbstzweck. Vielmehr sind Eigentumsflächen notwendig, um eine langfristig funktionierende Biotopvernetzung für die Schaffung von Lebensraum- und Wanderkorridoren und die Umsetzung von naturschutzfachlichen Maßnahmen entsprechend der Planungsvorgaben sicher zu stellen.
So konnten wir auf unseren Flächen selber und in Kooperation mit anderen Akteuren vielfältige Naturschutzmaßnahmen umsetzen:
- Flächensicherung & Biotopvernetzung: Ankauf und Bereitstellung von Flächen mit hohem ökologischen Potenzial, um die Biotop- und Artenvielfalt zu sichern.
- Revitalisierung von Mooren: Wiedervernässung für intakten Wasserhaushalt und zum Stopp der Treibhausgas-Emissionen,
- Wildniswälder: Entwicklung von klimaresilienten Laubmischwälder aus standortheimischen Baumarten
- Extensivierung: Einrichtung von halboffenen Weidelandschaften für Artenvielfalt auf ehemals intensiv bewirtschafteten Grünland- und Ackerstandorten
- Renaturierung von Gewässern: Umgestaltung von Gewässerläufen, um Sedimentation zu fördern und Nährstoffe zurückzuhalten
Lebensraumgestaltung auf angekauften Flächen
Projektgebiet
Die Projektkulisse umfasst im Norden den in Schleswig-Holstein liegenden Teil des ehemaligen Naturschutzgroßprojektes „Schaalsee-Landschaft“ und reicht im Süden bis zur Elbe. Östlich begrenzen erst die Kreisstraße nach Hollenbek, dann die L04 nach Gudow und ab Büchen der Elbe-Lübeck-Kanal die Kulisse.
Projektträger und Finanzierung
Projektträger ist der Zweckverband „Schaalsee-Landschaft“ (ZSL). Für die Akquise, den Ankauf und die Entwicklung von Flächen ist eine zusätzliche Personalstelle beim ZSL als Projektträger eingerichtet worden. Diese wird finanziert durch das Land Schleswig-Holstein (50%), den Landkreis Herzogtum-Lauenburg (25%) und den Zweckverband Schaalsee-Landschaft (25%).
Verantwortlich für die Flächenakquise im Projekt Biotopverbund Schleswig-Holstein ist Dipl.-Ing. Landespflege Jürgen Jeske.
Planungsgrundlagen für die Stärkung des Biotopverbunds und die Flächenentwicklung
Das Projekt Stärkung des Biotopverbundes in Schleswig-Holstein an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern setzt auf kommunaler Ebene das um, was Gesetze und Planungen auf Bundes- und Landesebene vorgeben.
In Schleswig-Holstein existiert ein landesweites Fachkonzept zum Biotopverbund. Dieses stellt Schwerpunkt- und Achsenräume dar, die für den Arten- und Biotopschutz von überregionaler Bedeutung sind. Es zeigt Schwerpunktbereiche, Haupt- und Nebenverbundachsen auf der regionalen Planungsebene (vgl. MUNF 1999, 57-61) flächenscharf.
„Ein System miteinander verbundener, naturnaher Lebensraumkomplexe von Wäldern, Mooren und Niederungen ist zentrale Voraussetzung zur Erhaltung der Anpassungsfähigkeit der Natur in Schleswig-Holstein und somit für eine erfolgreiche Anpassung an den Klimawandel.“
Quelle Zitat: Kurs Natur 2030, Strategie zum Erhalt der biologischen Vielfalt in Schleswig-Holstein, S.12
Rechtliche Grundlage ist das Landesnaturschutzgesetz des Landes Schleswig-Holstein in Verbindung mit dem Landschaftsprogramm von 1999 das bis heute seine Gültigkeit besitzt.
- 12 LNatSchG:
- Die nachhaltige Sicherung der heimischen Tier- und Pflanzenarten einschließlich ihrer Lebensräume und Lebensgemeinschaften soll (deshalb) durch die Entwicklung eines Netzes verbundener Biotope (Biotopverbund) erreicht werden.
- Das Biotopverbundsystem soll mindestens 15 Prozent der Landesfläche umfassen.
- Die Konzeption für ein landesweites Biotopverbundsystem ist im Landschaftsprogramm 1999 dargestellt.
- Digitale Karte der Biotopverbundplanung Schleswig-Holstein im Umweltportal Schleswig-Holstein
Naturschutz im historischen Kontext
Dass die Grenzöffnung in Jahr 1989 als historische Chance für den Naturschutz entlang der ehemaligen innerdeutschen Grenze genutzt werden konnte, ist auch dem Weitblick engagierter Naturschützer, Naturschutzorganisationen und politischen Amtsträgern zu verdanken. Sie haben in Ost und West zusammen daran gearbeitet und arbeiten weiterhin daran, Flächen für den Naturschutz zu sichern und naturzerstörende Nutzungsinteressen abzuwehren.
Bereits drei Monate nach der Wiedervereinigung wurde am 1.1.1991 der Zweckverband Schaalsee-Landschaft als erster (!) Naturschutzzweckverband in Deutschland gegründet, um Flächen für den grenzübergreifenden Naturschutz zu sichern, zu entwickeln und Träger des nun abgeschlossenen Naturschutzgroßprojekts Schaalsee-Landschaft zu werden. Beteiligt sind bis heute die Kreise Nordwestmecklenburg und Ludwigslust-Parchim in Mecklenburg-Vorpommern, der Kreis Herzogtum Lauenburg in Schleswig-Holstein sowie die Umweltstiftung WWF Deutschland.
Wo früher also Grenzanlagen, Todesstreifen, Zäune und Mauern unser Land trennten, hat sich bis heute wunderschöne, wertvolle Natur entwickelt. Das Gebiet wurde zu einem Rückzugsort für hunderte seltener Tier- und Pflanzenarten. Seit der Grenzöffnung 1989 und Wiedervereinigung 1990 wächst auch in der Natur zusammen, was zusammengehört.
Dennoch gibt es auch heute noch Lücken im Biotopverbund, auch in Schleswig-Holstein an der Landesgrenze zu Mecklenburg-Vorpommern. Diese sollen entsprechend der Planungsvorgaben des Landes Schleswig-Holstein geschlossen und entsprechend weiterer Fachplanungen (u.a. PEPL, Managementpläne) entwickelt werden.
Genau hier setzt das Projekt des Zweckverbands Schaalsee-Landschaft zur Stärkung des Biotopverbundes an und setzt damit die Pionierarbeit des unmittelbar nach Grenzöffnung etablierten und heute abgeschlossenen Naturschutzgroßprojekts Schaalsee-Landschaft fort.
