Lassahn, 4. September 2026 – Was einst Deutschland teilte, verbindet heute zwei Bundesländer und schafft Lebensraum für Seeadler, Kranich und unzählige weitere Arten: 35 Jahre nach seiner Gründung hat der Zweckverband Schaalsee-Landschaft (ZSL) gemeinsam mit mehr als 130 Gästen eine außergewöhnliche Erfolgsgeschichte des grenzübergreifenden Naturschutzes gefeiert. Mit dabei waren auch Dr. Till Backhaus, Minister für Klimaschutz, Landwirtschaft, ländliche Räume und Umwelt, des Landes Mecklenburg-Vorpommern, und Tobias Goldschmidt, Minister für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur des Landes Schleswig-Holstein. Ihr gemeinsames Auftreten am Grünen Band unterstrich die besondere Bedeutung der länderübergreifenden Zusammenarbeit, auf der die Arbeit des ZSL seit seiner Gründung beruht.
Das Naturschutzgroßprojekt – eine Idee der deutschen Einheit
Die besondere Bedeutung der Schaalsee-Landschaft für den überregionalen Naturschutz wurde früh erkannt. So konnten zum Beispiel in den 1970er Jahren hier die letzten Kranichpaare im damaligen Westdeutschland brüten. Mit der Wiedervereinigung Deutschlands war dann die Chance gegeben, die einmalige Naturausstattung der Schaalsee-Landschaft länderübergreifend zu schützen und für die Naherholung zu entwickeln. Mit Unterstützung des Bundes und der Länder entstand das erste und damals größte grenzübergreifend umgesetzte Naturschutzgroßprojekt von gesamtstaatlich repräsentativer Bedeutung. Als Träger für das Projekt gründeten die damaligen Landkreise Gadebusch, Hagenow und Herzogtum Lauenburg gemeinsam mit dem WWF Deutschland am 1. Januar 1991 den Zweckverband Schaalsee-Landschaft. Die Zusammenarbeit kommunaler Träger mit dem WWF als private Umweltschutzorganisation war dabei von Beginn an eine Besonderheit und ein Erfolg.
Das Projekt „Schaalsee-Landschaft“ gehört mit seinen 33.500 ha Projektgebiet, einem Projektkerngebiet von 14.700 ha zu den fünf größten Naturschutzgroßprojekten Deutschlands. Von 1991-2009 flossen über 26 Millionen Euro in die Region. Zusammen mit den Ländern, Kreisen und dem Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe, wurden bisher rund 61% bzw. über 8.000 ha der Ziel-Flächen des Naturschutzgroßprojektes unter Schutz gestellt, 9.300ha als FFH Gebiet und 17.400 ha Vogelschutzgebiet ausgewiesen. Ein Großteil der Kernzonen des Biosphärenreservates Schaalsee sind die Eigentumsflächen des ZSL und das Grüne Band in MV wird auf knapp 220 ha auf den Eigentumsflächen des ZSL liegen und damit einen großen Teil der Ausweisung als Nationales Naturmonument ermöglichen.
Erfolg durch Zusammenarbeit
Die Bedeutung der länderübergreifenden Zusammenarbeit zeigte sich auch in der Zusammensetzung der Gäste. Neben den beiden Umweltministern waren Kathrin Samson (Vorständin des WWF Deutschland), Landrat Tino Schomann (Landkreis Nordwestmecklenburg), Landrat Dr. Christoph Mager (Kreis Herzogtum Lauenburg), Heike Scholz (Landkreis Ludwigslust-Parchim), Anke Hollerbach (Biosphärenreservatsamt Schaalsee-Elbe) sowie zahlreiche Bürgermeister, Landwirte, Jäger, Verbände und weitere Partnerinnen und Partner aus Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein und Hamburg vor Ort.
„35 Jahre Zweckverband Schaalsee-Landschaft sind auch ein Stück deutscher Geschichte. Über Jahrzehnte verlief hier die innerdeutsche Grenze. Heute gehört diese Landschaft zu einem der bedeutendsten Abschnitte des Grünen Bandes. Wenn man sich vor Augen führt, was in diesen dreieinhalb Jahrzehnten erreicht worden ist, dann wird daraus eine beeindruckende Bilanz für den Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein“, sagte Umweltminister Dr. Till Backhaus bei der Jubiläumsfeier.
Die Bilanz griff Tino Schomann, Vorsitzender der Verbandsversammlung des ZSL, in seiner Rede auf: „Seit der Gründung wurden gemeinsam mit zahlreichen Partnern rund 5.000 Hektar Fläche für den Naturschutz gesichert, mehr als 800 Hektar Moorflächen wiedervernässt, rund 2.200 Hektar Wald einer natürlichen Entwicklung überlassen und auf etwa 260 Hektar neuer Wald geschaffen. Mehr als 350 Biotopmaßnahmen wurden gemeinsam mit Partnern umgesetzt. Auf rund 1.800 Hektar Grünland sorgen heute mehr als 60 regionale Pächter mit extensiver Bewirtschaftung dafür, dass artenreiche Weidelandschaften erhalten bleiben. Ein Wegenetz von über 50km Wander- und Radwege führt über die Eigentumsflächen des ZSL und weitere 150km Wegenetz grenzt unmittelbar an seine Naturschutzflächen an, sodass sie zur Erholung und dem Naturerleben beitragen.“
Doch der Zweckverband ist längst über den ursprünglichen Ansatz als reiner Träger eines Naturschutzgroßprojektes hinausgewachsen und zu einer umsetzungsstarken Institution am Grünen Band entwickelt. „Der Zweckverband leistet auch heute noch einen enorm wichtigen, länderübergreifenden Beitrag für den biologischen Klimaschutz und den Schutz unserer Arten entlang des Grünen Bandes“, sagte Minister Goldschmidt am Rande der Jubiläumsfeier. Das Verbandsgebiet wurde 2023 bis an die Elbe erweitert. Seit 2024 ist der ZSL Träger des Projektes „Biotopverbund Schleswig-Holstein an der Grenze zu Mecklenburg-Vorpommern“, mit dem das Grüne Band durch Flächenankäufe und konkrete Naturschutzmaßnahmen weiter gestärkt werden soll. Weitere Drittmittelprojekte sind in der Planung unter anderem um sowohl im Biosphärenreservat als auch südlich davon bis zur Elbe grenzübergreifend Lücken im Biotopverbund und am Nationalen Naturmonument zu füllen.
Artenvielfalt unter Druck – der Blick nach vorn
Dass die Erfolgsgeschichte zugleich eine Verpflichtung für die Zukunft ist, machte der Impulsvortrag des Biologen, Journalisten und Autors Lothar Frenz deutlich. Mit seinem Blick auf Artensterben, Klimawandel und den fortschreitenden Verlust natürlicher Lebensräume zeigte er auf, vor welchen Herausforderungen der Naturschutz heute steht – und warum der Schutz und die Vernetzung wertvoller Lebensräume wichtiger denn je sind.
In der anschließenden Podiumsdiskussion richteten die Teilnehmenden den Blick auf die Zukunft des Grünen Bandes: Wie kann der Biotopverbund weiter gestärkt werden? Wo bestehen noch Lücken? Und wie kann Naturschutz auch künftig gemeinsam mit Landwirtschaft, Kommunen, Behörden, Verbänden und den Menschen vor Ort gelingen?
„Natur macht an Ländergrenzen nicht Halt. Was vor 35 Jahren als mutige Idee in einer gerade wiedervereinigten Region begann, ist heute eine gewachsene Struktur, die konkrete Flächen sichert, Lebensräume entwickelt und Menschen zusammenbringt“, sagte Verbandsvorsteherin Maria Boness. „Die vergangenen 35 Jahre zeigen, was möglich ist, wenn Naturschutz langfristig gedacht und gemeinsam getragen wird. Genau daran wollen wir anknüpfen. Ich danke allen Partner, die uns bei diesem Ziel unterstützen.“
Die Jubiläumsfeier klang mit Gesprächen an verschiedenen Thementischen und regionalen Speisen in entspannter Atmosphäre aus. Dabei wurde deutlich: Das Grüne Band ist längst mehr als eine Erinnerung an die deutsche Teilung. Es ist ein lebendiger Verbund wertvoller Lebensräume – und eine gemeinsame Aufgabe für die Zukunft.






